August - Probenähen

Achtung: Im September ist Blogpause! Die Linkparty vom August läuft solange weiter!

Ich nehme mal an, euch geht es ähnlich wie mir und im August tut sich nähtechnisch nicht viel.
Mein Nähzimmer ist unterm Dach, also ist es mir meist zu warm. An schönen Tagen sitze ich dann lieber im Garten, aber immerhin hab ich dann meine Sticksachen dabei. Aber auch das zieht sich....
Viele sind im Urlaub (Bayern hat den ganzen August Ferien), wer Kinder hat, hat schon wieder viel mit Schule zu tun. Der August ist der Ruhemonat fürs Nähen, finde ich.
Daher hab ich mich im August für ein Thema entschieden, bei dem mal nichts Genähtes fotografiert werden muss. Im Bewusstsein, dass es heiße Diskussionen geben kann, passend zum Wetter ;)

Übrigens muss es nicht immer ein Blogbeitrag sein, um an Somachichdas teil zu haben. Ihr könnt auch Facebookbeiträge verlinken, die muss ich allerdings freischalten. Oder ihr hinterlasst einfach einen Kommentar. Gerade in letzter Zeit habe ich festgestellt, dass es wirklich gut ist, auch mal zu schauen, wie die anderen etwas machen. Eingefahrene Wege muss man auch mal verlassen.

Zum Thema Probenähen ist mir sofor DIESER Blogbeitrag eingefallen.
Kennt ihr Klitzeglück?
Ich kenne Klitzeglück seit Frangia. Das Fransenshirt war das erste Teil, was ich mir von ihr abgespeichert hab. Ihr Blog ist nicht überladen mit Links, Listen und Bildern. Sie schreibt, was sie denkt. Zugegeben, wenn ich etwas bei ihr Suche, bin ich etwas verzweifelt ob der fehlenden Tags, aber bei der Suche stolpere ich über ältere Artikel und muss gleich wieder schmunzeln.
Auch wenn ich nicht immer ihrer Meinung bin, lese ich dort trotzdem gerne.
Ich finde, es könnten sich mal ein paar Bloggerinnen eine Scheibe von ihr abschneiden. Friede, Freude, Eierkuchen finde ich  langweilig. Auf ihre Art ist auch eine Diskussion über ein heißes Thema viel interessanter und weniger nervenaufreibend.

Ich weiß nicht, ob ich im August einen passenden Beitrag hinbekomme, daher schreib ich euch einfach hier meine Meinung hin.

Jeder Designer braucht Probenäher. Logisch. Das Nervige daran ist nur die Flut, die einen überkommt, wenn man im Netz stöbert. Für jeden Pipifaxschnitt werden Unmengen von Probenähern gesucht (klar, damit betreibt man ja schon mal Werbung), solche Beiträge werden dann auch noch permanent weiter geteilt, selbst wenn die Bewerbungsfrist längst abgelaufen ist.
Darunter findet man dann auch noch so schmachtende Kommentare "Wow, was für ein toller Schnitt, den möchte ich ja sooooo gerne testen!!!", dass man denken könnte, jemand hätte das Rad neu erfunden. Meist gibt es als "Entschädigung" ja nur den Schnitt umsonst. Da muss er für mich einfach ein paar Raffinessen haben, von denen ich denke, die würde ich selbst so auf die Schnelle nicht hinbekommen. Nun gut, kann jeder machen wie er will. Das Thema "Bezahlung" hat Klitzeglück ja gut abgehandelt.

Aber, was mich wirklich, wirklich an diesem Thema nervt, sind die schauerlichen Ergebnisse. Ich kann ja hier leider keine fremden Bilder zeigen, aber die meisten wissen, was ich meine. Kleidung, die überhaupt nicht sitzt, Zugfalten, schlechte Passform, falsche Stoffwahl. Schreiend bunte Muster, die das Erkennen vom Schnitt unmöglich machen. Rüschen, Stickereien und Plotts wild übereinandergeworfen, um die Wandelbarkeit des Schnittes zu demonstrieren.
Gezeigt auf Bildern, bei denen ich mich frage, warum ich mir so viel Mühe mache, mich mit meiner Kamera anzufreunden.

Darunter das Lob des Erstellers für die fleißige Arbeit. Hä?

Ich will nicht alle Schnittmusterdesigner in einen Topf werfen. Den Schuh kann sich jeder anziehen, der mag. Oder auch nicht.
Einmal hab ich mich erdreistet und angemerkt, dass der Schnitt auf dem Bild einfach nicht passt. Da kam vom "Designer" zurück, die Probenäher dürfen nicht anpassen, damit der Kunde einen Eindruck vom "wirklichen" Schnitt bekommt. Ah, ja klar.

Wie wärs dann damit, jemanden mit Cup F einfach nicht ins Probenähteam für ein figurbetontes Kleid aus Webware aufzunehmen, wenn Anpassung nicht erwünscht ist?
Ich hätte überhaupt nichts dagegen, wenn bei einem Beispielbild des Schnittes was angepasstes dabei ist. Das kann man auf dem Foto doch notieren. Ehrlich gesagt, würde ich mich sogar freuen. Denn wenn die Trägerin dann meiner Figur entspricht, weiß ich, dass die Mühe der Anpassung nicht umsonst sein wird.

Oder an die Probenäherin: Es gibt ja auch Designer, die genau das verlauten lassen, wenn sie Probenäher suchen. Dann bewirbt man sich doch nicht. Was will man dann mit so einem Kleid, das nicht passt?

Liebe Designer, eure Probenäher sind euer Aushängeschild. Sucht sie gut aus, Qualität geht vor Quantiät. Es muss nicht jede Konfektionsgröße abgedeckt werden, drei bis fünf Figurtypen reichen locker, um sich einen Schnitt vorzustellen.
Seid ehrlich zu euren Probenähern. Wenn es mal nichts geworden ist und ihr die Bilder nicht zeigen wollt, sagt ihnen, warum. Wenn ihr nach bestimmten Figurtypen sucht und keine Anpassung gewünscht ist, schreibt es unter die Bewerbersuche.
Mir ist das schon unangenehm, einer bestimmten Dame immer wieder abzusagen, wenn ich Probenähen soll. Aber bis jetzt waren es eben immer Schnitte, von denen ich weiß, dass sie einfach nicht zu meiner Figur passen. Wäre doch schade um die Arbeit, für uns beide.

Und ja, ab und an bewerbe ich mich auch mal für ein Probenähen. Weils eben auch einfach mal Spass machen kann.





Kommentare:

  1. Hui! Gutes Thema! :)

    Ich sehe das ähnlich wie du.

    Zum einen sehe auch ich oft schlechte Ergebnisse. Nicht nur bei Bekleidungsschnitten, auch bei Taschen oder Ähnlichem, was keiner Anpassung bedarf. Wenn dann Nähte krumm und schief sind oder Teile nicht aufgebügelt wurden, sodass alles knitterig aussieht, finde ich persönlich das als Werbung eine Katastrophe. Den Schnittmustererstellern scheint es oft egal zu sein. Sie nehmen, was sie kriegen können, Hauptsache sie sind durch Werbung in Form von geteilten Beiträgen in aller Munde.
    Dazu kommt - und das ärgert mich manchmal auch echt ein bisschen -, dass viele nur super kurze Probenähen veranstalten, damit der Schnitt möglichst übermorgen auf dem Markt ist. Was ist mit all jenen, die keine "Hausmuttis" sind und eben nicht von heute auf morgen ein möglicherweise aufwändiges Werk fertigstellen können oder wollen. Gut Ding will Weile haben! Manchmal braucht man eben ein bisschen, gerade wenn es ein neuer Schnitt ist, den man für ein gutes Ergebnis, was der Werbung würdig ist, auch gut umsetzen will.
    Dazu kommt, dass das Probenähen aus meiner Sicht weitaus mehr umfassen sollte als nur das Nähen an sich. Wie ist die Beschreibung der Vorgehensweise? Passen die Bilder zum Text?
    Wie ist die optische Aufmachung der Anleitung? Und ganz besonders: Wie ist die Rechtschreibung? Viele der Probenäher achten überhaupt gar nicht auf soetwas. Und die Schnittersteller sind leider oft schon damit überfordert, mal die Rechtschreibkorrektur in Word zu verwenden, um wenigstens die größten Schnitzer zu vermeiden. Wenn ich als Probenäher mehrere STUNDEN damit verbringen muss, die Rechtschreibung und Zeichensetzung zu kontrollieren, weil da so viele Fehler sind, die bisher bei 20 Probenähern niemandem aufgefallen sind, läuft doch was verkehrt.
    Ebenso bin ich erstaunt gewesen, dass ich einmal in höchsten Tönen für die saubere Verarbeitung gelobt wurde, die gerade im Teaser in der Detailaufnahme natürlich sehr gut aussah. Trotzdem haben meine guten Bilder es nicht zu den hervorgehobenen Werbebildern geschafft. Stattdessen diejenigen, die Kuddelmuddel geliefert haben. Es soll ja auch zu sehen sein, dass Anfänger den Schnitt nähen können... Naja...
    Ich persönlich finde schlechte Verarbeitungsbeispiele als Bild beim Verkaufsartikel abschreckend. Es wirkt einfach unprofessionell. Punkt.

    So, das war mein Wort zum Dienstag. ;)
    Ich bin gespannt, wie sich die Diskussion entwickeln wird.

    AntwortenLöschen
  2. Hallo! Ich habe gerade Deinen Blog über Facebook entdeckt und werde gleich mal ein bisschen stöbern. Es hört sich ja sehr interessant an!

    Ich habe noch nie probegenäht und werde es auch nicht tun. Vor einigen Jahren habe ich mich mal als Probestickerin "beworben", wurde genommen, saß stundenlang an irgendwelchen Stickmustern, habe eine Menge Material investiert und am Ende wurden die meisten Serien, die ich probegestickt hatte, nie zum Verkauf freigegeben. Es war also alles vergebene Liebesmüh. Dabei war alles so dringend und sollte so schnell wie möglich probegestickt werden. Als "Bezahlung" durfte man die Stickdateien behalten, aber sind wir mal ehrlich: Die Zeit und das Material sind mehr wert als die Stickmuster, die ich mir sowieso nie gekauft hätte. Das hat mich echt geärgert und diese Erfahrung hat mir persönlich gereicht, so dass ich mich nie wieder zum Probesticken oder auch -nähen beworben habe.

    LG, Sandra

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Stimmt. Daher bewerbe ich mich auch nur, wenn mir etwas besonders gut gefällt und ich gerade Zeit habe.
      Manchmal wird man auch von den Erstellern direkt angefragt, ob man nicht für sie was probesticken/-nähen möchte. Dann sag ich auch, wenn mir was nicht gefällt.

      Löschen
  3. Oh nein, ich habe mich falsch verlinkt! Da hab ich nicht aufgepasst, sorry. Schmeißt du mich aus den Probenähbeitragslinks wieder raus, bitte? Danke!
    Ja, Probenähen... Hab ich schon gemacht und das hat mal mehr und mal weniger Freude bereitet. Momentan reichen mir meine Stammteams, weil da nur alle paar Monate was Neues kommt und mich das nicht so unter Druck setzt. So viel Spaß es auch macht: Probenähen ist für mich Stress. Und kurzer Zeit soll etwas Tolles fertig werden. Mit dem man auch Werbung machen kann. Das ist toll, weil auch ich mir mehr Mühe gebe und ein schönes Ergebnis bekomme. Aber braucht eben auch Zeit und Mühe.
    Was mir noch fehlt in deinem und dem verlinkten Beitrag ist der Unterschied zwischen Design- und Probenähen. Und der ist gefühlt auch nicht allen Schnitterstellerinnen klar. Beim Designnähen ist es sehr wohl sinnvoll, von jeder Größe 1-2 Personen zu haben Und das jeder möglichst nah an der Originalanleitung und am Originalschnitt arbeitet. Und wirklich kritisch ist. Und dass die Schnitterstellerin die Anregungen dann auch wirklich umsetzt, um den Schnitt besser zu machen, damit er passt. Ich war auch schon in Runden, da hat der Schnitt den meisten nicht gepasst, an den Größen/dem Schnitt wurde aber nichts geändert. Dafür sollte man aber bitte noch 2-3 Teile mehr nähen und zwar aus möglichst tollen Stoff und toll vertüddelt. So dass die Käufer nicht mehr sehen, dass es hinten und vorne nicht sitzt und/oder von der Näherin sehr viel angepasst wurde, was im Schnitt so nicht ist.
    LG und Danke für deine Inspirierende Linkparty und die tollen beiträge!
    Jana

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Habs gesehen, schon erledigt.

      Designnähen kann ja aber auch heißen, dass man für einen Stoffhersteller Beispiele näht. Also alles nicht so einfach und auch oft nicht richtig definiert.
      Ich habe für mich einfach mittlerweile genug Erfahrungen gemacht. Leuten, die zu den Extremprobenäher gehören, folge ich einfach nicht mehr, Beiträge in der Art auf FB drücke ich einfach immer weg, die werden so auch weniger. Erreicht mich so ein Aufruf doch mal, überlege ich mir gründlich, ob es sich für mich auch lohnt (was sehr selten vorkommt).
      Suche ich mal ein neues Ebook, schau ich mir das auf Sewunity an, das ist noch nicht von Probenäherinnen überlaufen.

      LG
      Tanja

      Löschen
  4. Liebe Tanja, du hast so Recht.
    Ich bewerbe mich hin und wieder bei einem Probenähen - einfach weil ich mir de Schnitt gut an mir oder der Hummel vorstellen kann. Das man keine Änderungen am Probestück machen sollte finde ich in Ordnung, nur dann muss der Designer anfangen zu Ändern und gegen zu rudern. Das ist wichtig und leider kommt dies nicht oft vor. Auch wenn 50 Probenäher sagen "Die Tasche sitzt komisch" aber der Designer nichts daran ändern möchte ärgert mich so etwas auch. Schließlich möchte man doch Kritik haben oder?
    Ich bemerke oft, dass in einigen Probenähen 5 Projekte fertig gestellt werden. So an 2 Tagen, ich denke mir meinen Teil, denn ist es nicht sinnvoll ein Projekt ordentlich abzuschließen und ein schönes Kleidungsstück zu erstellen? Ich habe in einem laufenden Probenähen meistens 2 genähte Kleidungsstücke fertig. Einen vom vorläufigen Schnitt und dann einmal mit der geänderten Version - einfach um zu sehen ob es besser passt. Ich finde das ist in Ordnung - und ja, es ist meine Zeit, meine Kosten, mein Material, mein Aufwand. Hin und wieder mache ich es gerne, aber dann muss mir der Schnitt zusagen und auch der Designer ;-).
    Ich nehme mir aber auch die Freiheit und zeige einige Sachen nicht - auch wenn es für den Designer weniger gut ist, aber ich bewerbe nichts, was mir nicht gefällt, und vor allem nicht, wenn ich weiß das nichts am Schnitt geändert wurde.
    Ich Lobe mir dann andere Designer die ein Probenähen verlängern weil es nicht sitzt oder die in der Testphase öfters den Schnitt anpassen und ändern und sagen "Bitte nur Version xx nähen" und vor allem Probenähen in denen es ein Kritikbogen gibt ;-)

    Liebste Grüße, Andrea

    AntwortenLöschen